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1978036 - Tumisu - pixabay.com - CC0 Creative Commons

Facebook, Google, Yelp – diverse große Onlinedienste bietet die Möglichkeit Alles und Jeden zu bewerten. Was als nützlicher Dienst für Informationssuchende gedacht ist kann leider auch schnell für den persönlichen Rachefeldzug Einzelner mißbraucht werden, sozusagen Frustabbau 2.0…

Mit einem Mausklick den Frust abbauen

Es geht schnell: Portal öffnen, den zu bewertenden Anbieter heraussuchen, einen gepfefferten Text schreiben und absenden. Schon geht es einem besser, man hat sich den Ärger von der Seele geschrieben und fühlt sich besser. Was man dabei evtl. anrichtet, ist in dem Augenblick völlig egal, man will ja jemandem Schaden zufügen.

Mal eben ein Tierheim fertig machen

Viel zu oft habe ich jetzt schon miterleben dürfen, das enttäuschte „Tierfreunde“ einen persönlichen Rachefeldzug gegen ein Tierheim starten, weil sie ein bestimmtes Tier nicht bekommen haben.

Ja, es ist nicht schön, wenn man ein Tier unbedingt haben möchte und es nicht bekommt. Es gibt ja viele einsichtige Menschen, die die Argumente des Tierheims verstehen, warum gerade diese Mensch/Tier Kombination nicht passt – aber es gibt halt leider auch die Uneinsichtigen, die es besser wissen und es als persönliche Beleidigung auffassen, das gewünschte Tier nicht mitnehmen zu können.

Ein paar Fälle aus der Praxis

Da war z.B. der 83 jährige Mann, alleinstehend, keine Familie, der unbedingt einen Welpen haben wollte. Auf die Frage, was er dem jungen Hund denn für eine Zukunftsperspektive bieten könne – immerhin kann ein Hund ja durchaus 15 Jahre oder älter werden – kam nur ein lapidares „Ich bin fit, was soll schon passieren?“. So ganz ohne Plan B war klar das er keinen Welpen bekam – und einen älteren Hund wollte er nicht. Das Ergebnis war dann einige Zeit später als erboster Leserbrief in der Zeitung nachzulesen: „Das Tierheim will wohl keine Hunde vermitteln…“. Doch, will es – aber es muss auch für den Hund passen, nicht nur für den Menschen!

Anderer Fall: mehrköpfige Familie, die sich auf einem bestimmten Hund fixiert hatte – „der ist ja so niedlich, den wollen wir!“. Dummerweise war ausgerechnet der niedliche Hund absolut nicht stressresistent und das Tierheim auf der Suche nach einer ruhigen, einfühlsamen Umgebung für den Hund. Alle Erklärungsversuche und Hinweise auf deutlich besser geeignete Familiehunde halfen nichts – den oder keinen! Die enttäuschte Familie hatte dann nichts Besseres zu tun als daheim sofort eine negative Onlinebewertung abzugeben: „Kann ja nicht sein, das man den ausgesuchten Hund nicht bekommt, die sollen im Tierheim doch froh sein, wenn sie einen vermittelt bekommen.“ Nein, es wird nicht auf „Deubel komm raus“ vermittelt…

Ähnlich lief es auch mit der Frau, die unbedingt ein Katzenbaby für die Einzelhaltung wollte – bei älteren Katzen, die aus einer Einzelhaltung kommen oder von sich aus Einzelgänger sind, kein Problem, aber Katzenkinder werden grundsätzlich nur zu zweit oder zu einer vorhandenen Katze vermittelt – zum Wohl des Tieres. Nachdem die Frau ihren Willen nicht durchsetzen konnte, folgte was folgen musste: Negativbewertungen von ihr und ihrem gesamten Freundeskreis (die dann aus „Solidarität“ – natürlich ohne Hintergrundwissen – auch mal kräftig „draufhauen“).

Neuester Fall: zwei ältere Herren, nach eigenen Angaben im „besten Alter“ – also Mitte 70 – die sich für einen Rassehund interessieren. Der Hund ist drei Jahre alt und auf die Frage nach Plan B – was passiert mit dem Hund, wenn sie mal nicht mehr können? – kommt nur Unverständnis: man sei doch im besten Alter (siehe oben) und zur Not würde dann halt die Mutter (Mitte 90) sich um den Hund kümmern. Auch bei einer Familie mit derartig hoher Lebenserwartung kann mal was schiefgehen – da muss man sich vorher auch schon mal Gedanken über das Wohl des Tieres machen. Wem das aber anscheinend völlig egal ist, der geht dann halt ohne Tier. Bei den beiden älteren Herren begann der Frustabbau dann schon beim Verlassen des Tierheims – andere Besucher wurden „gewarnt“, die negative Onlinebewertung ließ natürlich auch nicht lange auf sich warten…

Die Folgen…

Im Prinzip könnte man über das Ganze ja hinwegsehen, wer schon eine Weile im Tierschutz tätig ist hat sich ja zwangsweise ein sehr dickes Fell zulegen müssen. Leider führen aber falsche negative Bewertungen dazu, dass mögliche Interessenten oder Spender abgeschreckt werden – und da hört der Spaß dann endgültig auf, denn an der Stelle geht es um das Wohl der schutzbedürftigen Tiere!

Wer als vermeintlicher „Tierfreund“ meint mit einer falschen oder verfälschenden Onlinebewertung seinen Frust abbauen zu müssen, der schadet direkt den hilfsbedürftigen Tieren.

Bitte nicht falsch verstehen, es geht hier um vorsätzlich falsche Bewertungen. Berechtigte, konstruktive Kritik ist etwas anderes – damit kann/muss jeder leben und ein vernünftig geführtes Tierheim nimmt solche Kritik ernst und prüft, was dran ist. Aber falsche, ja bösartige, beleidigende, verleumende Bewertung, die nur dem Frustabbau und der Rache dienen, sind in meinen Augen einfach nicht hinnehmbar!

Denkt mal darüber nach und seid kritisch, wenn da nächste Mal irgendwo ein Tierheim schlecht gemacht wird – es gibt ja bekanntlich immer zwei Seiten der Medaille…

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